Trockenalleinfutter für Hunde – Eine Einführung Teil 2/2
Nachdem wir uns im 1. Teil der Serie mit ein paar Grundlagen, den Herstellungsverfahren und der Frage, wie man denn ein gutes Trockenfutter erkennt, beschäftigt haben, geht es nun ans Eingemachte: Wie ist das mit dem Fleischanteil? Dazu schauen wir uns ein paar Deklarationen an und ich beantworte abschließend einige immer wieder auftauchende Fragen.
Wie ist das mit dem Fleischanteil?
Immer wieder lese ich: „In dem Futter xyz sind ja nur 25 % Fleischanteil, im Futter zyx sind es aber 70 %.“ Und jetzt wird es spannend. Wir müssen zwischen der Deklaration in der Frischsubstanz und der Deklaration im tatsächlichen, getrockneten Zustand unterscheiden.
Als Frischsubstanz bezeichnet man die einzelnen Komponenten in ihrer ursprünglichen Substanz – beim Fleisch also frisches, saftiges Fleisch. Da Fleisch aber, je nach Sorte, zu 70–80 % aus Wasser besteht, geht beim Trocknungsvorgang sehr viel vom ursprünglichen Gewicht verloren.
Ein Beispiel: 1000 g Fleisch mit 70 % Feuchtegehalt enthalten 700 g Wasser und 300 g Trockensubstanz. Wird das Fleisch auf 10 % Restfeuchte getrocknet, bleiben von 1000 g frischem Fleisch nur noch rund 333 g getrocknetes Fleisch übrig – die Nährstoffe (Trockensubstanz) bleiben dabei voll erhalten. Aus „70 % frisches Fleisch“ werden also rechnerisch ca. 33 % bezogen auf den tatsächlichen Feuchtewert. Ernährungsphysiologisch macht das keinen Unterschied.
Häufig liest man eine Deklaration wie folgt:
Kartoffeln (min. 28 % getrocknet und gemahlen), frische Ente (min. 26 %), Entenfleisch (min. 17 % getrocknet und gemahlen), Äpfel (getrocknet), Rübentrockenschnitzel (entzuckert), Erbsen (getrocknet), Leinsamen, Proteinhydrolysat, Dicalciumphosphat, Geflügelfett, Preiselbeeren, Bierhefe …
Wir lesen hier 2× Ente: einmal frische Ente und einmal Entenfleisch (getrocknet und gemahlen). „Ente“ kann alles von der Ente sein – da steht ja nicht frisches Entenfleisch. Nur die Angabe des Tieres stellt keine Sicherheit dar, dass es sich um Fleisch bzw. hochwertige Innereien handelt.
Dann lesen wir Proteinhydrolysat (oft auch Geflügelhydrolysat). Das sind in aller Regel aus Abfällen mittels Hydrolyse gewonnene Proteine. Sie werden meist verwendet, wenn das Ausgangsmaterial nicht alle nötigen Aminosäuren deckt – was meist auf schlechte Rohstoffqualität hindeutet. Ein Vorteil: Da der Darm diese „zerlegten“ Proteine nicht erkennt, lösen sie bei einem Allergiker keine Allergie aus.
Auch beim Begriff Geflügelfleischmehl ist Vorsicht geboten: Rechtlich gibt es zwischen Geflügelmehl und Geflügelfleischmehl keinen Unterschied. Durch das Wort „Fleisch“ wird dem Kunden lediglich suggeriert, es handele sich um Fleisch.
Insgesamt bleibt zum Thema Trockenfutter zu sagen: Es ist eine für den Menschen angenehme Art der Fütterung, mit der der Hund gesund ernährt werden kann – sofern man das „richtige“ Trockenfutter verwendet. Trockenfutter bleibt aber immer Trockenfutter, egal wie hochwertig es ist. Es gibt viele Alternativen, mit denen man seinem Hund einen Gefallen tut.
Ist Welpenfutter sinnvoll, und wenn ja wie lange?
Aufgrund des deutlich erhöhten Bedarfs an umsetzbarer Energie, Protein und anderen Nährstoffen halte ich es für sinnvoll, ein Welpenfutter zu füttern. Da ab dem 6. Monat der Bedarf zurückgeht, ist ab diesem Zeitpunkt ein Wechsel auf Adultfutter mit angepassten Fütterungsmengen anzuraten.
Wächst ein Welpe durch Welpenfutter / zuviel Eiweiß zu schnell?
Nein! Die Wachstumsgeschwindigkeit hängt direkt mit der aufgenommenen Menge an umsetzbarer Energie zusammen, nicht mit dem Eiweiß. Ein Welpe mit ständig frei verfügbarem Futter frisst meist mehr als er benötigt und wächst dadurch zu schnell.
Können durch Trockenfutter Struvitsteine entstehen?
Jein. Ein Risikofaktor ist eine zu geringe Wasseraufnahme – da beim Trockenfutter der Flüssigkeitsanteil aus der Nahrung fehlt, kann bei Hunden, die wenig trinken, ein erhöhtes Risiko bestehen. Auch eine Mineralstoffüberversorgung kann zu Steinen führen, das ist dann aber kein alleiniges Problem des Trockenfutters.
Macht Seniorfutter Sinn, und wenn ja ab wann?
Der Energiebedarf nimmt im Alter ab. Kommen Erkrankungen und weniger Bewegung hinzu, kann ein Futter mit reduziertem Energie- und Eiweißgehalt sinnvoll sein, da bei reiner Mengenreduzierung auch die Mineralstoff- und Vitaminmengen sinken. Ab wann ist sehr individuell; bei großen Rassen beginnt das „Alter“ ab etwa 7 Jahren.
Besteht ein Zusammenhang zwischen Übersäuerung und Trockenfutter?
Da bei der Sekretion des Magensaftes verschiedene Phasen unterschieden werden und sehr viele Einflussfaktoren eine Rolle spielen, ist dies sehr individuell. Einen direkten, pauschalen Zusammenhang zwischen Übersäuerung und Trockenfutter kann ich nach meinem Wissen nicht herstellen.
Ich hoffe, ich konnte Dir einen kleinen Einblick in das Thema Trockenfutter liefern. Wenn Du auf der Suche nach einem passenden Futter für Deinen Hund bist, stehe ich Dir gerne beratend zur Seite – schreibe mir eine E-Mail oder nutze das Kontaktformular.
