Trockenalleinfutter für Hunde – Eine Einführung Teil 1/2
Der Markt an Trockenfutter für Hunde ist nahezu unüberschaubar, fast täglich kommen neue Sorten hinzu.
Allen Sorten ist gemein, zumindest wenn man den Werbeversprechen der Hersteller glauben schenkt, dass sie unseren Hund auf nahezu perfekte und gesunde Art „natürlich“ ernähren. Die Realität ist eine andere. Vorsichtig geschätzt sind 90 % der Trockenalleinfutter, die der Handel anbietet, alles andere als „natürlich“, „hochwertig“ oder „mit viel frischem Fleisch“ – auf den Punkt gebracht: sie sind Mist!
Doch woran erkennt man nun ein gutes, und woran ein schlechtes Trockenfutter? Diese Frage versuche ich Dir hier, möglichst objektiv, auf der Grundlage von nachvollziehbaren Zahlen, Daten und Fakten, zu beantworten.
Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, dafür ist das Thema zu komplex – alleine über wenige Inhaltsstoffe, die Deklaration oder Herstellungsverfahren könnte man einen Beitrag mit der mindestens doppelten Anzahl an Seiten verfassen und hätte noch immer nicht alles ausreichend beleuchtet.
Hier geht es darum, ein Grundverständnis allgemein verständlich und für Otto-Normal-Hundehalter nachvollziehbar darzustellen. Ich werde in anderen Beiträgen näher auf die anderen Bereiche eingehen.
Warum gibt es überhaupt Trockenfutter?
Streng betrachtet ist Trockenfutter die Antwort der Industrie auf die Anforderungen der Massentierhaltung von Nutztieren. Zunächst für Schweine, Rinder und Geflügel entwickelt, mit der Idee, die Beschaffung, Lagerung und Anwendung für den Nutzviehhalter zu vereinfachen und seine Erträge zu maximieren, erkannte die Industrie sehr schnell das Potential der Heimtierbranche.
Ein klein wenig Theorie
Wir kommen nicht umhin, ein paar Begriffe genau zu definieren, sie werden im Verlauf des Beitrages immer wieder auftauchen.
Bei den Futtermitteln unterscheiden wir definitionsgemäß Einzelfuttermittel, d.h. Ausgangserzeugnisse tierischer, pflanzlicher oder mineralischer Herkunft, und Mischfuttermittel, d.h. Mischungen aus diesen Einzelfuttermitteln. Die Mischfuttermittel lassen sich in Alleinfutter, Ergänzungsfutter und Diätfuttermittel unterteilen. Ich betrachte hier ausschließlich Alleinfutter, d.h. Futter, das bei ausschließlicher Verwendung alle Nahrungsbedürfnisse des Hundes erfüllt.
Wie wird Trockenfutter eigentlich hergestellt?
Grundsätzlich solltest Du Dich von der romantischen Idee verabschieden, dass die Inhaltsstoffe roh in einen großen Topf kommen und dort zubereitet werden. Tatsächlich werden bei nahezu allen Herstellern bereits getrocknete Rohstoffe verarbeitet. Der fleischhaltige Anteil des Futters wird zudem IMMER, völlig unabhängig vom Herstellungsverfahren, auf mindestens 90 °C erhitzt – das ist gemäß einer EG-Rechtsnorm vorgeschrieben.
Bei der eigentlichen Herstellung haben sich drei Verfahren durchgesetzt:
1. Das Extrusionsverfahren
Die Extrusion wird zur Herstellung der meisten Trockenfutter eingesetzt. Die getrocknete und gemahlene Rohstoffmasse wird mittels eines Schneckenantriebes im Extruder durch Wasserdampf geschleust und unter Druck und Hitze (i.d.R. 120 °C bis 180 °C) durch Formdüsen gepresst. Anschließend wird häufig eine Lösung aus Vitaminen und hydrolysierten Eiweißen aufgesprüht, um Nährstoffdefizite auszugleichen und die Akzeptanz zu erhöhen.
2. Backen
Beim Backen wird die Rohstoffmasse auf große Bleche aufgetragen und gebacken – bei ähnlichen Temperaturen wie beim Extrusionsverfahren, allerdings über einen längeren Zeitraum.
3. Kaltpressung
Bei der Kaltpressung werden die Rohstoffe ohne Zufuhr hoher Temperaturen durch eine Matrize gepresst. Durch spezielle Kühlverfahren bleiben die Temperaturen trotz hohen Drucks deutlich niedriger. Ein Aufsprühen von Fetten und Vitaminen findet hier nicht statt, dafür finden nahezu keine Nährstoffverluste durch das Herstellungsverfahren statt.
Welche Vorteile hat Trockenfutter im Vergleich zu anderen Futterarten?
Und jetzt wird es hart. Trockenfutter hat eine ganze Menge Vorteile – jedoch keinen für den Hund. Die Hauptvorteile sind der günstigere Preis, die besseren Transport- und Lagerfähigkeiten und die Tatsache, dass es sauberer zu verfüttern ist. Das Fehlen von Vorteilen für den Hund heißt jedoch nicht, dass man einen Hund mit entsprechend hochwertigem Trockenfutter nicht gesund ernähren kann.
Woran erkenne ich denn ein gutes Trockenfutter?
Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Es gibt keine Regel wie „wenn A im Futter ist, ist es gut, bei B ist es schlecht“. Auch die Schlussfolgerung teuer = gut trifft nicht zu, zählen doch gerade teure Futtermarken teilweise zu den „schlechtesten“ Futtersorten. Ein gutes Hundefutter sollte möglichst artgerecht und natürlich sein.
Der Hund benötigt zum Leben wie alle Lebewesen Energie. Die Hauptenergiequellen stellen für den Hundekörper Fette dar, an zweiter Stelle stehen Kohlenhydrate. Eiweiße stellen nur eine sekundäre Energiequelle dar. Nicht nur als Energiequelle, auch für andere Prozesse benötigt der Körper Nährstoffe: Eiweiße als „Baustoffe“, Mineralien, Spurenelemente und Vitamine. Weder ein Zuviel noch ein Zuwenig der Nährstoffe sollte zugeführt werden, und viele Nährstoffe beeinflussen sich gegenseitig.
Betrachtet man die Richtwerte für Energie, Eiweiß, Calcium und Phosphor eines Welpen mit 3 Monaten (Adultgewicht 20 kg) und eines normal aktiven, erwachsenen Hundes mit 20 kg, kann jeder sich selbst die Frage beantworten, ob Welpen- und Seniorfutter sinnvoll ist.
| Energie | Eiweiß (g verd. RP/kg KM/Tag) | Calcium (mg/kg KM/Tag) | Phosphor (mg/kg KM/Tag) | |
|---|---|---|---|---|
| Welpe | 0,71 | 7–8 | 490 | 230 |
| Adulter Hund 20 kg | 0,23 | 2,4 | 80 | 60 |
Praktisch umgesetzt lässt sich leicht ableiten, dass z.B. Mais kein ideales Futtermittel darstellt. Wenn Mais überhaupt im Futter zu finden ist, so sollte der Anteil deutlich unter 10 % betragen. Eine generelle Ablehnung von Getreide möchte ich nicht aussprechen – Hunde können die enthaltene Stärke problemlos verdauen. Insbesondere Weizen und ein zu hoher Maisanteil sollten jedoch nicht im Futter auftauchen.
Im 2. Teil dieser Serie beleuchte ich das Thema Fleischanteil genauer. Zudem schauen wir uns ein paar Zutatenlisten (Deklarationen) an und ich beantworte einige immer wieder auftauchende Fragen.
